Aus Scheiße Gold machen

Die Islas Ballestas werden auch als “Galapagos der armen Frau/des armen Mannes bezeichnet”, doch sie haben definitiv einiges zu bieten. Die Inselkette bestehend aus drei Inseln und liegt vor der Küste von Paracas, nahe Pisco. Ein Ausflug von Pisco aus bietet sich also an und im Übrigen ist es auch das einzige wirklich Spektakuläre in der Wüstenlandschaft um Pisco herum. Die Fahrt, welche um 6 Uhr mit dem Weg zu den Bussen begann, war äußerst holprig, da wir uns in einen der lokal genutzten kleinen Busse zwängten. Mit gefühlten 20 cm Beinfreiheit sind wir erstmal spontan viel zu früh ausgestiegen und waren auf ein Taxi angewiesen, welches uns zum richtigen Ort brachten. Das passiert uns kein zweites Mal! Der umtriebige Tour-Guide, den wir in Paracas prompt antrafen, verhalf uns mit Verhandlungsgeschick und körperlichem Einsatz auf eines der wartenden Boote. Andere Touristen hatten weniger Glück und mussten länger warten. Die Spontanität lebe hoch, selber organisieren lohnt sich!

Während der Bootstour (mit dem Schnellboot namens Humboldt!) hielten wir zunächst beim Kandelaber an, einer riesigen Figur mit drei Zacken, die vor einer (vermutlich) langen Zeit in den Sandhügel eingezeichnet wurde. Neben vielen anderen Theorien wird angenommen, dass der Dreizack in Verbindung mit den Nazca-Linien weiter im Süden steht, als nördliche Verbindung zur Nazca-Kultur. Da es in der ganzen Gegend so gut wie nie regnet, bleiben die Gravierungen im Wüstenboden gut erhalten. Die Größe der Figur ist beeindruckend (ca. 170 m hoch) und lässt wilde Phantasien wecken.

Nach dem kurzen Halt ging es weiter aufs offene Meer. Vogelschwärme begleiteten uns und wurden immer mehr bis auf einmal die drei Inseln vor uns auftauchten. Zunächst wunderten wir uns über die seltsame Struktur und Farbe der Inseloberfläche, bis wir realisierten, dass die tausend kleinen Punkte Vögel waren. Vögel unterschiedlichster Art, laut kreischend und wild rumfliegend. Auf dem Felsen gesellten sich zudem Seelöwen und Humboldtpinguine (seltene Art) dazu. Ein wahres Paradies! Zudem waren die Felsen weißlich verfärbt – Guano erklärte man uns. Guano ist das Vogelexkrement von Kormoranen, Tölpeln und Pelikanen und einer der wichtigsten Phosphorquellen zur Herstellung von landwirtschaftlichen Düngemitteln. Das weiße Gold Perus oder auch aus „Scheiße Gold machen“ wurde bereits in Zeiten der Inkas entdeckt und genutzt. Mit Humboldt wurde Guano in großen Mengen nach Europa exportiert und schließlich erschöpft. Für mehr Informationen zur Geschichte des Guanos schaut in den Artikel. Heutzutage werden die Islas alle paar Jahre abgeerntet. Für den Schutz der Vögel gibt es Personal auf der Insel, die das Wohlbefinden der kostbaren Vögel sicherstellen und die Abgeschiedenheit auf den Inseln dafür hinnehmen.

Peruanischer Guano ist also der sprichwörtliche Shit!

Im Anschluss an die Bootstour hatten wir eine Stunde Pause, welche wir für eine kurzen Snack und einem Spaziergang an der nicht unansehnlichen Promenade von Paracas nutzen. Danach wurden wir erneut mit der Hilfe des Tour-Guides in einen Bus verfrachtet, welcher uns in das nahegelegene Naturschutzgebiet brachte. Mit beeindruckenden 5 Sprachen, u.a. Deutsch, überraschte uns der neue Ausflugsbegleiter und präsentierte uns die dort ansässigen Flamingos und die beeindruckende Küsten- und Wüstenlandschaft. Hier ist im Besonderen der rote Strand zu erwähnen, welchen es nur an wenigen Orten auf der Welt zu sehen gibt. Den Abschluss bildeten ein Essen in einem Fischrestaurant und ein deftiger Sonnenbrand, wobei das Fischrestaurant trotz seiner famosen Lage nicht überzeugte und der Sonnenbrand noch heute seine Auswirkungen zeigt (Tag 8).

Und Guano ist immer noch der Shit.

 












Tipps

Übernachtet in Paracas statt in Pisco. Der Ort ist wesentlich netter und die Busanbindungen sind besser.

Für die Überfahrt zu den Inseln einfach morgens spontan bei einem Anbieter buchen, das verhindert lange Wartezeiten.