Bien, Bueno, Buenos Aires

Nach unserem Dschungel-Abenteuer stand eine schwere Entscheidung an. Wir hatten noch viereinhalb Wochen Zeit und das Wissen über die teils gigantischen Distanzen, welche man in Südamerika zurücklegen muss. Die Qual der Wahl bestand zwischen von Quito nach Brasilien oder direkt nach Argentinien zu fliegen. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns Brasilien zu überspringen und dafür Argentinien ausführlicher zu Erkunden. Auch einen längeren Strandaufenthalt wollten wir uns nicht nehmen lassen, denn dieser wäre auf jeden Fall ausgefallen wenn wir die Strecke über Brasilien und Uruguay genommen hätten.

So ging es von Quito direkt nach Buenos Aires. Naja, mit einem kurzen Zwischenstopp in Lima. Der Nachtflug schaffte uns und so sind wir mit einem Taxi direkt in unser Hostel gefahren. Schon auf der Fahrt in die Stadt sahen wir die Höhe der Gebäude und die Größe der Metropole. In Buenos Aires leben trotzdem gerade einmal drei Millionen Menschen, allerdings auch nochmal genauso viele außerhalb der Stadtgrenze, was die Fläche und Fülle drastisch erhöht. Bereits im Taxi erspähten wir unzählige Mate-Becher, welche von den Fahrern um uns herum getrunken wurden. Die Argentinier lieben ihre Mate, Sie lieben Sie!

Im Hostel angekommen stellte sich neben unserer Erschöpfung auch eine gewaltige Enttäuschung ein. Das Zimmer hatte ähnliche klimatische Bedingungen wie der Regenwald. Gefühlte 35 Grad und 100%ige Luftfeuchtigkeit schlugen uns entgegen. Ein quietschender Deckenventilator sorgte nur für minimale Luftzirkulation und auch ein Fenster suchte man vergebens. Abplatzender Putz und ein hygienisches Russischroulette gehören wohl auch zu einer solchen Reise. Später wurde die prekäre Situation noch musikalisch von unserem Zimmernachbarn untermalt, welcher wohl seine Rap-Karriere endlich zu dem ersehnten Durchbruch verhelfen wollte und bis spät nachts an Beats und Vocals feilte. Kurz, dieses Hostel war ein Griff ins Klo. Einzig die Aussicht nur drei Nächte gebucht zu haben und die unbestreitbar gute Lage ließen uns Hoffnung.

Um erst einmal frische Luft zu schnappen, Geld abzuheben und etwas Essbares zu finden gingen wir auf eine kleine Erkundungstour. Buenos Aires ist die wahrscheinlich westlichste Großstadt in ganz Südamerika. Es gibt U-Bahnen, hohe Gebäude und beeindruckende Straßenschluchten. Viele der Gebäude sind reich verziert mit Stuck, Statuen und Ornamenten. Wir kamen nicht um den Eindruck eines spanischsprechenden New Yorks herum. Viele der Geschäfte und Restaurants haben noch bunte handbemalte Schilder und Schaufenster, ein wirklich schöner Anblick. Nachdem wir alles erledigt hatten, ging es zurück ins Höllenloch und wir machten einen verfrühten Mittagsschlaf. Den Nachmittag verbrachten wir dann mit einem langen und ziellosen Spaziergang, welcher uns zum Präsidentenpalast führte. Vor dem Palast war ein großer Protest mit Bannern und Musik im Gange. Später sahen wir, dass es sich dabei wohl um einen ständigen Protest handelte. Jedenfalls waren immer einige Leute an den Info-Zelten. Den Abend verbrachten wir mit selbstgemachten Salat. Hervorzuheben sind die guten Supermärkte in Buenos Aires, die eine breite Palette an Waren, die der Deutschen ähnelt, bieten. Einschließlich Oettinger und Warsteiner. Und am allerwichtigsten anständige Brötchen, Baguettes und Brote!

Die nächsten Tage verbrachten wir vor allem mit langen Erkundungstouren durch die Stadt, wobei wir unseren Radius immer größer zogen. Wir sahen uns die Stadtteile San-Telmo (Hipster Bezirk), Recoleta und das neue schicke Hafenareal mit Skyline an. Die Stadt zieht einen in Ihren Bann. So gibt es im reichen Recoleta einen beeindruckenden alten Friedhof auf dem berühmte Persönlichkeiten wie ehemalige Präsidenten begraben liegen und Führungen über Geistergeschichten und offene Gräber berichten. Am Hafen gingen wir in eine Kunstausstellung, die die private Sammlung einer wohlhabenden Argentinierin zeigte, samt Chagalls und Picassos sowie vielen Gemälden lokaler Künstler und Freunde. Im hippen San Telmo bewunderten wir Spinnennetz-Kunst im Museum für moderne Kunst. San Telmo ist auch bekannt für seinen allwöchentlichen Handwerks- und Kunstmarkt, der sich fünf Kilometer durch den Stadtbezirk schlängelt. So nutzten wir den letzten Tag in Buenos Aires für eben diesen und genossen zwischendurch noch kleine und öffentliche Tangoshows in der Sonne.

Wir freuten uns bei der Abfahrt auf das spätere Wiederkommen, denn es gibt noch viel zu Entdecken!

Und nur als kleine Anmerkung am Rande. Wir haben unsere letzte Nacht in einem viel schöneren Hostel verbracht und werden auch dorthin wieder zurückkehren.

 









Tipps

San Telmo (Vielfalt an Essensmöglichkeiten!) und Recoleta einen Besuch abstatten

Die private Kunstsammlung von Amalia Lacroze de Fortabat bestaunen

Hostel Telmotango (unser Lebensretter)