Cha cha chachapoyas

Chachapoyas ist ein etwas verschlafenes Städtchen im Norden Perus. Wie Arequipa liegt auch Chachapoyas in den Bergen und ist umgeben von Ruinen und einer sehr schönen Flora und Fauna. Wir hatten uns drei Tage Zeit genommen, um die Stadt und die Umgebung zu erkunden. Nach einer 14-stündigen Fahrt von Trujillo aus begann unser Abenteuer in Chachapoyas mit einem kleinen Nachholschlaf gegen 8 Uhr morgens. Ausgeruht ging es danach erstmal zum obligatorischen Plaza de Armas. Dort gibt es ein nettes Lokal namens „Cafe Fusiones“ mit sehr leckeren und kreativen Speisen. Den Rest des ersten Tages verbrachten wir mit einem Stadtrundgang und der verzweifelten suche nach Draht. Um es kurz zu machen, es gibt ca. 20 kleine Baumärkte aber keinen passenden Draht. Am Abend buchten wir noch eine Tour für den folgenden Tag.

Die am Abend zuvor gebuchte Tour begann um 8:30 Uhr. Es ging nach Kuelap, einer ehemaligen Stadt und Festung der Chachapoyas. Kuelap wurde zwischen den Jahren 800 und 1300 n. Chr. erbaut und ist damit einige hundert Jahre älter als der Machu Picchu. Es wird auch als die zweitwichtigste historische Stätte nach dem Machu Picchu gehandelt. Diese Wichtigkeit für Peru und nicht zuletzt dem Tourismus wird auch damit unterstrichen, dass Anfang 2017 eine Seilbahn fertiggestellt wurde, welche die Anreise nicht nur massiv verkürzt, sondern auch erleichtert. Das Betreten der Seilbahn gestaltete sich durch die etwas verkopfte Auffassung der Peruaner, wie eine Seilbahn zu betreten sei, etwas komplizierter. Vor dem Einstieg befanden sich acht auf den Boden gemalte und beschriftete Punkte, auf die man sich der Reihe nach stellen musste und durfte erst mit dem Ok des Seilbahn-Beauftragten die im Schneckentempo vorbeifahrende Gondel betreten. Safety First! Die etwa 25-minütige Fahrt mit der Seilbahn bietet einem die Möglichkeit die umliegenden Berge und Täler in ihrer ganzen Pracht wahrzunehmen. Von der Seilbahnstation aus sind es nur noch gut 30 Minuten Fußweg bis man zu einem der drei Eingänge Kuelaps kommt. Der Eingang ist nur ca. 1,5 m breit und besteht aus einer sehr steilen Steintreppe. Wenn man genau hinschaut, sieht man in den Stein eingetretene Lamaspuren, welche sich über die jahrhundertelange Nutzung der Stadt in den Treppen manifestierten.

Signifikatester Unterschied zum Machu Picchu ist die Bauart der Häuser. Diese sind nicht eckig, sondern rund. Die Häuser sind natürlich nicht mehr ganz erhalten. Meist stehen nur noch die untersten Reihen der aus Felssteinen gemauerten Kreise. Ein einziges Haus ist später von den Inkas im eckingen Baustil hinzugefügt worden. Bei angenehmen Temperaturen und zwischendurch leichten Nieselregen machte es richtig Spaß die alte Stadt zu erkunden. Leider konnte man nur auf vorgefertigten Pfaden aus Holzflächen durch die Ruinen gehen. Allerdings dürfte sich der Andrang mit der neuen Seilbahn in den nächsten Jahren vervielfachen und da ist es wahrscheinlich ein guter Schutz für die alten Gemäuer. Wer sich genügend Zeit in Peru nimmt, sollte unbedingt einen Abstecher nach Chachapoyas und Kuelap machen.

Zurück in Chachapoyas machten wir uns noch das inoffizielle Nationalgericht, Nudeln mit Tomatensauce, und gingen früh ins Bett denn für den nächsten Tag hatten wir schon einiges geplant.

Wie am Vortag begann unsere Tour um 8:30 Uhr. Es ging zu einem Wasserfall, welcher ungefähr 1 Std. von Chachapoyas entfernt liegt. Vom Ausgangspunkt der Tour, dem kleinen Dorf Cocachimba, konnte man ihn schon sehen. Der Wasserfall mit Namen Gocta ist im Übrigen mit 771 m der dritthöchste Wasserfall der Welt. Die Wanderung dorthin wurde mit ca. 2 Std Fußweg und der Überwindung von etwa 450 Höhenmetern angegeben. Es ging auf und ab durch tropisch angehauchte Wälder, da sich der Gocta bereits im Einzugsgebiet des Amazonas befindet. Die Anstregungen sollten sich lohnen. Während andere Mitreisende bereits am Startpunkt auf die „Berg-Taxis“, in diesem Fall Pferde, zurückgriffen, schafften wir den Weg in etwas weniger als 1 1/2 Std. Den vielen vorangegangenen Wanderungen sei Dank.

Die erste richtige Demonstration der Kraft des fallenden Wassers erlebten wir, als wir um eine Ecke bogen und in ca. 250 m Entfernung zum Wasserfall sehr lautes Rauschen hörten und einen eisigen und nassen Wind spürten, der uns kurz den Atem verschlug. Wir wollten natürlich so nah herangehen, wie es nur möglich war. Zum Glück gibt es dort keinerlei Absperrungen oder Sicherheitsleute, die einen davon abhalten könnten. Bevor wir uns aber richtig nähern konnten, zogen wir uns unsere Regenjacken an und schützen den Rucksack mit seinem eigenen Regencape. Beim Herabsteigen zu dem Becken, in dem der Wasserfall mündete, wurden wir schon sehr ordentlich durchnässt. Die schiere Kraft, die der Wasserfall zeigte und der dadurch erzeugte Wind sind wirklich beeindruckend. Wir schafften es schließlich bis zum Wasser, welches eigenartig rötlich eingefärbt war und merkten, dass dies kein Ort zum Verweilen ist. Nach einem kurzen Moment des Verweilens und Erfrischens zogen wir uns zu der etwas entfernteren und erhöhten Aussichtsplattform zurück. Dort genossen wir noch einige Zeit den Anblick und trockeneten und stärkten uns mit Keksen für den Rückweg.

Der Rückweg verlief ereignislos und unser größter Ansporn war das wartende Mittagessen. Glücklich und zufrieden wurden wir gegen 17 Uhr im Hostel abgesetzt. Leider sollte unser Tag damit nicht enden, da unsere Weiterreise für 22 Uhr angesetzt war. Wir hatten kein Zimmer mehr im Hostel, konnten aber trotdem dort duschen. Es hieß also duschen die getragenen Sachen gegen frische austauschen und die Zeit bis zur Weiterfahrt totzuschlagen. Dies taten wir mit einem kurzen Snack im Cafe Fusiones und dem buchen der nächsten Unterkunft. Wir hatten in unserem Hostel nämlich kein Internet.

 









Tipps

Das Dorf am Wasserfall Cocachimba machte eine wirklich sympathischen Eindruck. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären wir dort noch eine Nacht eingekehrt.

Die Tour zum Wasserfall kann man auch selber organisieren. Busse und Taxis bringen einen genauso gut an den Ort und verlaufen kann man sich dort nicht.