Großstadtperle

Der gute Ruf Quitos eilte unserer Ankunft in der ecuadorianischen Hauptstadt voraus und wir sollten nicht enttäuscht werden! Denn Quito hat vieles zu bieten, ob Schlendern in den Straßen, Kultur oder Grün. Vor allem das historische Stadtzentrum überzeugte uns mit seinem gepflegten Stadtbild und den bunten Kolonialbauten. Die Straßen waren voller Menschen, die süße Snacks und Eis genossen und  durch die Gassen schlenderten, wie wir. Am Plaza Grande ballte sich das Menschengetummel unter den Augen des Präsidenten, der Präsidentenpalast ist hier zu finden. Wir erfuhren, dass man den Palast besichtigen kann und so waren wir dem Präsidentenbüro ganz nahe dank eines engagierten Mitarbeiters, der uns netterweise eine Extraführung gab, da wir es sonst nicht mehr geschafft hätten. Uns und den Präsidenten trennte lediglich ein abgesperrter Korridor. In der kostenlosen Führung auf Spanisch (!) bekamen wir u. a. die zahlreichen Präsidentengeschenke aus dem Ausland zu Gesicht. Die goldene Rolex aus Saudi Arabien glitzerte am meisten, ein Präsent aus Deutschland war auch in der Sammlung. Die restliche Zeit ließen wir uns vor allem durch die Stadt treiben, besichtigten die ein oder andere Kunstausstellung und hatten eine nette Begegnung im Englisch Bookstore, in dem wir aus erster Hand nützliche Reisetipps und Ideen von einem hier sehr lange ansässigen Engländer erhielten. Als Englischlehrer kam er damals nach dem Studium nach Ecuador und verliebte sich promt, eine neue Heimat entstand.

Quito ist außerdem umgeben von unzähligen Hügeln, Bergen und sogar einen Vulkan. Einen Katzensprung entfernt und noch in der Stadt kann man sogar auf über 3.000 Höhenmeter wandern und die Aussicht genießen, was wir dieses Mal jedoch ausließen. Die Virgin of Quito auf dem El Panecillo (Hügel) am Fuße des Stadtzentrums bietet einem gute Orientierung, sodass ein schnelles zurechtfinden in der Stadt möglich ist. Den einen Tag zog es uns in ein weiter entferntes Stadtviertel, El Mariscal. Laut Reiseführer ziemlich hip und modern. Doch wir wurden eher enttäuscht, da sich die Straßen als Partyszene entpuppten. Abgesehen von den vielen craft beer Brauereien, ja die gibt es auch hier, war die Gegend eher wenig interessant. Doch wir nutzen den Ausflug auch für einen Abstecher in einen der vielen Parks, die am Wochenende proppenvoll sind und besuchten den Botanischen Garten. Mit voller Gewissheit stiegen wir für die Rückfahrt in den öffentlichen Bus, denn am Morgen hatte es so gut geklappt. Leider war der Bus dieses Mal extrem voll, sodass die Fahrt ziemlich anstrengend wurde. Obwohl der Bus schon längst überfüllt war, stiegen immer mehr Menschen ein, hier ist man nicht zimperlich. Wir beide waren glücklich über unsere Größe, denn das Atmen fiel nicht schwer, doch als wir merkten, dass wir an der falschen Tür standen (es gibt insgesamt vier Türen und die hinterste, an der wir standen, wurde bei den Stationen im Zentrum nicht geöffnet, da die Stationen hier zu kurz sind), war das Unbehagen groß, als wir uns durch die Menschenmassen quetschen mussten. Das wars erstmal mit Busfahren, dachten wir uns, zumindest zu dieser Uhrzeit.

Von Quito aus lässt sich wunderbar das Umland erkunden. Wir lasen vom größten und bekanntesten Kunstmarkt in Südamerika, der einen Tagesausflug von Quito entfernt lag. Statt jedoch nur einen Tag in der Gegend rund um Otavalo zu bleiben, planten wir danach noch weiterzuziehen und die Region etwas zu erkunden und so wurde der kleine Rucksack gepackt. Unsere restlichen Sachen ließen wir im Hostel, da wir uns dort sehr wohl fühlten. Die gemütliche, familiengeführte doch simple Unterkunft überzeugte einfach. Nach Otavalo und zum Kunstmarkt ging es früh morgens los, denn die zwei Busterminals liegen weit vom Zentrum entfernt. Zum Glück war die Fahrt nach Otavalo nicht sehr lang und so fanden wir uns wenig später im Getümmel des wirklich großen Marktes wieder. Am Nachmittag hatten wir genug und die Taschen waren gefüllt, also ging es los zur Unterkunft, die im Nachbarort lag. Auf einem abgeschiedenen Hof voller Tiere und netter Menschen nächtigten wir. Dabei trafen wir einen jungen Kolumbianer, der sehr gesprächig war und mit dem wir uns mit einen Mix aus Englisch und Spanisch verständigten.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Cotocachi, nur einen katzensprung vom Hof entfernt. Dort gab es eine Kraterlagune zu bestaunen und es stellte sich heraus, dass der Ort für seine Lederarbeiten bekannt ist. So deckten wir uns mit Lederjacken ein und fuhren zur Lagune, die in einem 3-5 Stunden Marsch umrundet werden kann. Leider hatten wir dazu keine Zeit mehr und so gingen wir nur einen Teil des Weges und genossen die schöne Aussicht und das sonnige Wetter. Ursprünglich war geplant auf einer neuen Strecke am nächsten Tag nach Mindo weiterzufahren. Dort kann man vor allem Vögel beobachten und die Dschungellandschaft bestaunen. Leider gab es jedoch keine direkte Verbindung von Cotocachi aus, sodass wir den Plan verwarfen, um nach Quito zurückzufahren und uns der Planung der kommenden Tage im Amazonas zu widmen. Die Vorfreude war schon groß!

 







Tipps

Das Hostel Yumbo Imperial ist sein Geld wert. Klein, verwinkelt, hellhörig und gemütlich.

In Cotacachi Lederwaren shoppen ist ein Muss. Lokal gefertigt und preiswert.