Heil(e) Bariloche

Nachdem wir in Argentinien entgegen unserer Erwartungen recht wenig Deutsche oder Deutsches angetroffen hatten, kam es nun ganz Dicke. Als nächstes Reiseziel stand Bariloche auf unserem Plan, ein verschlafenes Örtchen nahe der Grenze zu Chile. Ursprünglich wollten wir nicht so weit südlich reisen, da uns die Busfahrten den Spaß nahmen, doch der Aufwand war es definitiv wert, denn Bariloche ist malerisch schön! Gelegen an einem glasklaren Gletschersee mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund kommt man sich hier vor wie in der Schweiz. Sogar Ski fahren ist neben anderen Aktivitäten wie Kajakfahren, Wandern, Radfahren usw. möglich. Auch die Häuser sehen in ihrem Fachwerkstil ziemlich europäisch aus, doch das Spanisch, welches auf den Straßen gesprochen wird, holt einen zurück in die Realität. Die Schweizer Preise auch jedoch auf andere Art und Weise.

Doch nun zum eigentlichen Aufhänger. Am skurrilsten an Bariloche ist die beachtlich große deutsche Gemeinde, die (wie nicht anders anzunehmen) sich im Rahmen des Zweiten Weltkrieges hierher verirrte, rechte Tendenzen inklusive. Im schönen Bariloche bauten sie sich eine zweite sonnigere Heimat auf, inklusive Deutscher Schule, Konsulat, eigenem Feiertag und Esskultur. Letzteres brachte uns den einen Tag ziemlich in Wallungen, als wir in einer Bäckerei authentische Brezeln bekamen und sofort verspeisten. Die Deutsche Schule unterrichtet immer noch auf Deutsch und Spanisch und gilt als eine der besten Schulen in der Umgebung, natürlich privat. Es wird gemunkelt, dass in Geschichte auf eigene Art und Weise mit dem Nationalsozialismus umgegangen wird. So weckte Bariloche verständlicherweise große Neugier in uns und so recherchierten wir und stießen letztendlich auf Abel Basti, einem argentinischen Journalisten, der seit geraumer Zeit versucht, die deutsche Geschichte Bariloches aufzuarbeiten. Einen spannenden Artikel dazu gibt es bei der Freitag. Basti veröffentlichte unter anderem einen Touristenführer, in dem nationalsozialistische Persönlichkeiten in Bariloche vorgestellt werden, inklusive Fotos und genauer Beschreibung deren Vergangenheit sowie einer Ortsangabe der ehemaligen Residenzen in Bariloche. Auf einer der letzten Seiten gibt es eine Übersichtskarte von der Region mit kleinen Hakenkreuzfähnchen zur Kennzeichnung der Nazi-Häuser. Überdies gibt das Buch auch einen kleinen Einstieg in Bastis teilweise waghalsigen Theorien. Ihm zufolge ist Adolf Hitler gar nicht 1945 in Berlin gestorben, sondern viel später in Argentinien nachdem er sich in seiner Residenz nahe Bariloche noch eine schöne Zeit gönnte. Ohne dies großartig weiterzuverfolgen, besuchten wir mit Hilfe des Reiseführers das ein oder andere unscheinbare ehemalige SS-Haus und dokumentierten eifrig. Bevor es zu den anderen Seiten von Bariloche geht noch eben eine interessante Geschichte mit Happy End. Der bekannteste und einflussreichste SS-Mann in Bariloche war Erich Priebke. Er wurde als einziger 1995 von der Argentinischen Polizei verhaftet und nach Italien gebracht, wo er für die Beteiligung an einem Massaker in Rom 1944 verurteilt wurde. Er starb im Gefängnis in hohem Alter, sein Sohn lebt bis heute in Bariloche.

Bariloche selbst ist umgeben von einer traumhaften Landschaft und Natur und bietet viele Möglichkeiten diese zu erkunden. So buchten wir einen Kajakausflug zum nahegelegenen See Gutiérrez, der glasklarer und sehr idyllisch war. Wir entdeckten das Kajakfahren für uns und hatten viel Spaß beim Suchen von Forellen im Wasser unter uns. Man konnte gut 10 Meter tief sehen. In der Pause am Uferbereich gingen wir sogar einmal kurz zur Abkühlung ins Wasser, doch es war so kalt, dass ein kurzes Untertauchen genügte.
Am nächsten Tag nahmen wir uns den Circuito Chico vor, eine Radstrecke quer durch den Nationalpark. Wir liehen uns Mountainbikes am Rande des Parks, die bei den uns bevorstehenden Höhenunterschieden auch bitter nötig waren. Man kam vorbei an mehreren Seen, grünen Wäldern und traumhaften Berglandschaften. Es war gerade die Jahreszeit einer Pflanze mit kräftig gelben Blüten, ein perfektes Fotomotiv. Nach rund 1,5 Stunden Fahrt machten wir halt an einem abgelegenen See, um ins kühle Nass zu springen und ein paar Snacks zu genießen. Gestärkt ging es weiter für den zweiten Teil der Strecke, der nochmal ziemlich in den Waden brennen sollte.
Den letzten Tag in Bariloche gingen wir ruhig an beim Relaxen im Park mit Blick auf den See und Flanieren in der Stadt. Auch Brezeln wurden zur Stärkung gekauft, denn ab Abend erwartete uns wieder eine längere Nachtfahrt mit dem Bus, die uns zum ersehnten Meer bringen sollte.

 










Tipps

Bariloche ist ziemlich teuer, auch die Aktivitäten. Doch die Investition in einen Kajakausflug mit Cuadrante sowie das Ausleihen von Mountainbikes für den Circuito Chico lohnen sich!

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