In der Pampa

Córdoba ist mit knapp über einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Argentinien, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Im Vergleich zu Buenos Aires lag Córdoba im Landesinnern und Unterschied sich auch deutlich im Stadtbild und der Atmosphäre. Während Buenos Aires sehr modern und metropolartig auf uns wirkte, überzeugte Córdoba durch seine Gemütlichkeit und seinen alternativen Charme. Wir hatten Córdoba schnell ins Herz geschlossen und mochten es ungezwungen durch die Straßen zu ziehen und das bunte Treiben der Menschen zu beobachten. Auch hier gibt es ein Studentenviertel mit hippen Bars und Craftbier, einen großen Stadtpark, der leider ziemlich ausgedörrt und trocken war sowie einen Hauptplatz im Zentrum, auf dem es nur so vor Menschen wimmelt. Zu jeder Tageszeit.

Obwohl Córdoba Buenos Aires in Infrastruktur und Größe nachhinkt, überraschten manche Ecken uns sehr. Die Stadt zeugt von historischen Erbe durch seine Kathedrale mit Fresken berühmter argentinischer Künstler und der ältesten Universität des Landes, dem die Stadt den Zweitnahmen „die Gelehrte“ verdankt. Durch die Studierenden gibt es eine reiche Kunst- und Kulturszene sowie eine gesunde Protestkultur, die wir am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen beobachteten konnten. Zudem lässt es sich in Córdoba sehr gut abends flanieren. So besuchten wir in den frühen Abendstunden den Floh- und Kunstmarkt am Fluss im Stadtteil Güemes, dem Studentenviertel. Anschließend blieben wir noch auf ein paar Drinks in einer Bar direkt am Markt hängen, was durch die spanische Livemusik und die angenehm warme Brise nur zu verlockend war. Übrigens fanden wir die Idee eines Floh- und Kunstmarktes in den Abendstunden sehr schön. Würde so etwas auch in Berlin gehen? Die Kauflust steigert sich bei dem ein oder anderen Drink auf jeden Fall und mit den richtigen Bars und der richtigen Musik bleiben die Leute gerne noch ein wenig zwischen den Ständen sitzen.

Die Region, in der Córdoba liegt, nennt sich Pampa und so sieht es hier auch aus. Weit und breit trockene und weite Flächen mit Gestrüpp und vereinzelten Ortschaften aber wohl auch wichtigstes wirtschaftliches Kernland Argentiniens. Angeblich findet sich hier das Herzstück der Fleischproduktion, da das Klima so gut für Rinder ist und viel Fläche zur Verfügung steht. Vom Bus aus sahen wir die beschriebenen Rinderherden jedoch nicht.

Rings um Córdoba herum liegen außerdem viele nette Ortschaften sowie eine Gebirgskette, die für Flüsse und Seen in der Umgebung sorgt. Die Gegend ist auch Kinderstube Che Guevaras, wobei revolutionäre Energie wohl eher woanders entstand. Hier konnte man es sich das nicht unbedingt vorstellen. Trotzdem unternahmen wir einen Tagesausflug nach Villa Carlos Paz, einem kleinen Ort gelegen an einem See. Leider hatten wir uns dafür einen extrem heißen Sonntag ausgesucht, sodass unser Aufenthalt stark verkürzt wurde. Die Geschäfte waren geschlossen und man hielt es nur im Schatten aus, was die Möglichkeit der Erkundung sehr einschränkte. Trotzdem schafften wir es die berühmte Kuckucksuhr zu finden und einen Schnappschuss zu machen. Am frühen Nachmittag kamen wir wieder in Córdoba an und erholten uns im Hostel vom Hitzestress.

Positive kulinarische Erlebnisse wurden uns auch in Córdoba nicht gegönnt. Unser hoffnungsvolle Besuch in einem arabischen Restaurant entpuppte sich als geschmackliches Desaster für unsere verwöhnten Berliner Geschmacksknospen. Trotz alledem verließen wir Córdoba mit einem wehmütigen Gefühl. Die Tage hier waren entspannt und heimatlich.








Tipps

Besuch des Kunstmarkts in Güemes

Das Hostel Mate! War nett, günstig und nah am Stadtzentrum und dem Busbahnhof gelegen