Regen in der Wüste

Mendoza ist die Hauptstadt von Argentinien. Nicht die Hauptstadt im politischen Sinne, sondern die Hauptstadt des Weines. Da die Argentinier mindestens so gerne Wein trinken wie Mate kann man schon von einer offiziellen Institution sprechen. Da wir ebenfalls gerne Wein trinken, wollten wir uns die Chance nicht nehmen lassen auch dieses schöne Nest im Südwesten von Argentinien zu besuchen. Mendoza ist ca. eine Stunde Autofahrt von der Chilenischen Grenze und den dortigen Anden entfernt. Die Anden sind es auch, welche das feuchtnasse Klima aus Chile abfangen, sodass kein Wölkchen auf die Argentinische Seite gelangt. Das Ergebnis ist eine äußerst sandige und staubige Landschaft mit heißem Klima. Offenbar die perfekte Kombination, um in epischem Ausmaß Weinreben anzupflanzen. Bis 1990 wurden hier vor allem schlechte aber sehr ertragsreiche Traubensorten angepflanzt. Seitdem hat sich die Produktion um 180 Grad von Quantität zu Qualität gewandelt und es werden viele französische Weinsorten, allen voran Cabernet Sauvignon und Malbec, angepflanzt. Es sind also die schweren Rotweine, welche hier hergestellt werden. Der Norden Argentiniens ist hingegen die Stube für leichtere und süffigere Weißweine. Insgesamt, so wurde uns berichtet, befinden sich etwa 900 Weinereien in der Umgebung von Mendoza.

Nach der inzwischen obligatorischen Nachtfahrt von Córdoba kamen wir verkrampft und geschafft in dem kleinen Hostel in Mendoza an. Unser Gastgeber und so muss man Ihn auch nennen, denn die Unterkunft war eher eine größere WG, als ein wirkliches Hostel, empfang uns mit breitem Lächeln und setzte uns erstmal mit einem Kaffee an den Küchentisch. Javier musste man einfach sofort gerne haben. Mit viel Eifer plante er direkt unsere nächsten zwei Tage in Mendoza, wobei wir nicht wirklich in der Verfassung waren Protest einzulegen. Folglich nickten wir eifrig und so sollte der erste Ausflug schon am gleichen Nachmittag starten. Es ging zur Besichtigung in zwei Weinereien samt Verkostung und einer Oliven Manufaktur, die neben der Weinereien auch sehr typisch für die Region sind. Noch etwas müde ging es nach ein paar Stunden ausruhen los. Die Tour selbst war sehr nett. In den Weinereien führte man uns auf Englisch durch die Gemäuer, was den Vorteil hatte, dass wir nur zu Zweit und einmal zu Dritt unterwegs waren. Die spanischsprechende Gruppe hingegen bestand aus etwa 30 Personen. Es war das erste Mal während der Reise, dass sich unsere geringen Spanischkenntnisse auszahlten. Während der Tour erhielten wir Einblick in die Welt der Weinproduktion und zwei verschiedenen Philosophien der Produktion. Während die erste, recht junge Weinerei ihre eigenen Reben hatte und vor allem Weine produzierte, welche für das Trinken innerhalb von drei Jahren gedacht waren, stellte die zweite und ältere Weinerei die Weine aus gekauften Trauben her und lagerte diesen mindestens für ein Jahr in Eichenfässern. Manche Weine lagerten sogar bis zu zehn Jahre. Der älteste Wein im Lager ist aus den 70ern und kostet rund 3.000 Euro pro Flasche. Wir lernten, dass grundsätzlich gilt, je länger ein Wein im Fass lagert, desto länger kann man ihn in einer Flasche aufheben. Die Verkostung am Ende war jedes Mal das Highlight der Führung und machte das vorher erklärte fassbar. Auch die Olivenöl-Manufaktur war sehenswert und die verschiedenen Sorten, z.B. Chili, Orange und Knoblauch, die ebenfalls im Anschluss mit Baguette serviert wurden, schmeckten großartig.

Als wir am Abend wieder im Hostel ankamen, fielen wir nach einem kleinen Abendbrot, bestehend aus Baguette, Käse und Wein aus dem Supermarkt, welcher furchtbar schmeckte, in einen tiefen Schlaf.
Der folgende Tag sollte um 8 Uhr beginnen. Wieder verschlafen dreinblickend frühstückten wir eine Kleinigkeit und gingen dann raus auf die Straße, um auf den Bus zu warten. Es sollte den ganzen Tag in eine Therme am Stadtrand gehen. Mit dem klassischen südamerikanischen Einer, also einer Stunde Verspätung, kam der Bus dann auch an und brachte uns zum Ziel. Die Thermen, in denen wir uns einen gemütlichen Tag gönnen wollten, stellten sich als halbes Spaßbad heraus und die Becken und Rasenflächen waren voll mit Menschen. Es waren gute zehn Schulklassen unterwegs, Ruhe und Entspannung suchten wir folglich vergebens. Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Einzig die unbestreitbar schöne Umgebung mit den Bergen im Hintergrund und das gelegentliche Abkühlen vom Sonnenbaden blieben uns angenehm in Erinnerung.

Um weiter Debakel zu vermeiden, planten wir ab diesem Tag unseren Aufenthalt auf eigene Faust. So sahen wir uns am nächsten Tag die Stadt an und kochten abends.

Ein weiteres Highlight sollte Mendoza uns aber noch bieten. Wir entschieden uns für Rafting, denn nachdem wir in Ecuador schon einmal Blut geleckt hatten, wollten wir mehr. Es sollte ein nasses Vergnügen werden. Dies überrascht natürlich beim Raften nicht, allerdings war es nicht das Wasser unter uns, das uns klitschnass machte, sondern die Wolken. Es regnete aus vollen Rohren. Das sollte eigentlich nicht außergewöhnlich sein aber vergesst die Anden nicht! Sie halten alle Regenwolken auf, es regnet so gut wie nie in Mendoza! Javier schätzte später, dass es etwa zehn Regentage pro Jahr gibt. Wir hatten das unglaubliche Glück drei davon mitzubekommen! Das Raften machte trotzdem Spaß, auch wenn es nicht an die Schnellen und die Wildheit in Ecuador rankam.
Die letzten 1 ½ Tagen verbrachten wir in Mendoza mit der Besichtigung der schönen Innenstadt und dem kleinen Kunstmarkt.

 




Tipps

Wir können das Hostel „The Wine House“ nur ans Herz legen.

Es soll auch ganz nett sein die Weinereien im Rahmen einer Fahrradtour zu besuchen