Vom Regenfall zum Wasserfall

Nach unserem Start in Buenos Aires wollten wir natürlich noch andere Seiten Argentiniens sehen. So verließen wir die große Stadt in Richtung der Iguazú-Wasserfälle. Diese befinden sich an dem gleichnamigen Ort Puerto Iguazú am nördlichsten Punkt Argentiniens direkt an den Grenzen zu Brasilien und Uruguay. Die Fahrt dorthin ist kein Zuckerschlecken. Geschlagene 22 Stunden im Bus sind der Preis, den man für dieses Naturwunder bezahlen muss. Da unser Zeitplan durch das Überspringen von Brasilien recht ergiebig war, nahmen wir uns ganze drei Tage Zeit für diesen Ausflug. Nach der Ankunft morgens konnten wir fußläufig, was wir nach der langen Zeit im Sitzen gerne machten, das Hostel erreichen. Das Hostel war ein flacher langgezogener Bau, in dem sich die Zimmer nebeneinander befanden. Ein großer Garten und ein Pool bildeten die Kulisse für die Zimmer. Auch eine Gemeinschaftsküche und ein großer Speisesaal fehlten nicht. Die ersten Stunden verbrachten wir mit einem Spaziergang durch den Ort und der Erkenntnis, dass es eine Siesta gibt. Von 13 – 17 Uhr ist hier Totenstille! Nach einem unbefriedigenden Mittagessen in einem der wenigen offenen Restaurants setzten wir unseren Weg zum Fluss am Rande des Ortes fort, von dem man auf die Brasilianische Seite blicken konnte. Puerto Iguazu ist ein verschlafenes Nest und hat ehrlichgesagt nicht viel zu bieten außer natürlich dem nahegelegenen Wasserfällen. Die meiste Zeit verbrachten wir nach unserem Spaziergang im Hostel vor allem im Pool, denn es war sehr heiß.

Am Tag nach unserer Ankunft sollte es endlich zu den Wasserfällen und den umgebenden Nationalpark gehen, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Dauerregen, sehr stark! Ein kleiner Schock, da der vorherige Tag strahlend blau, sonnig und heiß war. Wir verlängerten den Aufenthalt um eine Nacht und ließen uns das Baden im Pool trotzdem nicht nehmen.

Nach dem sprichwörtlichen Reinfall sollte uns der nächste Morgen mit dem schon bekannten Sonnenschein belohnen. Das Frühstück hielten wir kurz und gingen zeitig zum Busbahnhof, um einen der halbstündig fahrenden Busse zu den Wasserfällen zu erwischen. Die knapp einstündige Fahrt war schnell geschafft und schon standen wir an den Toren zum Nationalpark. Gut ausgebaut befinden sich im Eingangsbereich viele Gebäude mit kleinen Geschäften, einer Information, Tour-Anbietern und einer Bimmelbahn-Station. Die Bahn ist eine praktische Möglichkeit, um zu den vorgefertigten Pfaden zu gelangen, welche die Besucher*innen zu den Wasserfällen führen. Wir merkten schnell, dass im Park alles perfekt ausgebaut und durchdacht war, was bei den Menschenmassen jedoch auch sinnvoll erschien. Es gibt genau drei Pfade. Einer führt unterhalb der Wasserfälle entlang, einer oberhalb und ein dritter führt zum sogenannten Teufelsschlund, doch dazu später mehr. Wir nahmen zunächst den Weg oberhalb der Wasserfälle. Dass es sich um einen Nationalpark handelt, merkten wir schon an der ersten Abbiegung, als sich uns ein Blick auf mehrere Affen bot, die in den Bäumen tollten. Leider scheinen diese sich schon viel zu sehr an Menschen gewöhnt zu haben, denn es wird auf Schildern vor tierischen Diebstählen und Verletzungen gewarnt. Als wir weiter durch den dichten Wald gingen, hörten wir ein entferntes Dröhnen, welches im ersten Moment an eine Autobahn erinnerte. Hinter einer Biegung hatten wir dann einen ersten ungehinderten Blick auf die riesigen Wasserfälle. Sie erstrecken sich über mehrere hundert Meter und sind zwischen 60 bis 80 Meter hoch. Eingerahmt von tropischen Bäumen, vielen Vögeln und dem Glitzern der Sonne im Wasser ergab sich eine wunderschönes Bild für uns. Die Pfade, auf denen sich die Besucher*innen bewegen dürfen, bestehen aus Metallbrücken, welche über die Gewässer und den Wald führen. Geländer an beiden Seiten verhindern ein Verlassen des Weges. Es schränkt einen zwar ein und führt zu dem ein oder anderem Stau aber wir fanden es gut, dass die Natur so gut von den Menschenmassen geschützt wurde. Außerdem ermöglichten die Brücken interessante Perspektiven auf die Wasserfälle. So konnte man zum Beispiel direkt an den Rand bzw. Abgrund treten und herunterschauen. Etwas mulmig wird es einem schon, wenn man das herabstürzende Wasser von oben sieht.

Der zweite Pfad führte unterhalb der Wasserfälle entlang und zu einer Stelle an der es möglich ist bis auf wenige Meter an das herabstürzende Wasser heranzutreten. Die Kraft, die die Wassermassen haben, werden einem dort erst richtig bewusst und die Winde, die durch den Wasserfall entstehen, rauben einem den Atem und man ist in Sekunden pitschnass. Doch man musste nicht nur gegen die Naturkraft ankämpfen, sondern auch gegen Selfie machenden, verrückte, kleine Argentinier*innen, die in ihrem Selbststarstellungswahn nicht zimperlich waren. Um zu trocknen und dem Trubel auf den engen Pfaden etwas zu entgehen, entschieden wir uns den letzten Pfad nicht mit Hilfe der kleinen Bahn sondern zu Fuß aufzusuchen. Etwa eine halbe Stunde mussten wir dafür den Schienen folgen. Die Anstrengung machte sich bezahlt, denn auf dem Weg sahen wir Scharen von Schmetterlinge und ein paar Freunde aus dem Regenwald, z.B. Bullet Ameisen und die Goldene Seidenspinne. An der letzten Station angekommen, nahmen wir nach kurzer Pause wieder den vorgegebenen Pfad. Nach einer mehr oder weniger spektakulären Wanderung über die riesigen Wasserflächen, aus denen sich weiter hinten die Wasserfälle bildeten, kamen wir zum Teufelsschlund, dem spektakulärsten Ort im Nationalpark. Man blickt dort von oben in einen Halbkreis aus Wasserfällen und folglich in tobendes Wasser, wodurch kein Grund zu erkennen ist. Gischt und gelegentliche Wasserfontänen peitschten uns entgegen und mischten sich mit einem ohrenbetäubenden Getöse. Wahrlich ein Teufelsschlund! Die Kulisse zog uns in ihren Bann und wir verbrachten eine Weile hier bis wir uns grinsend und nass auf den Weg zum Parkausgang machten.

 








Tipps

Es lohnt sich nicht wirkich noch länger in Puerto Iguazú zu bleiben. Ein Ausflug zu den Wasserfällen genügt für diese Ecke.