Von wilden Kühen und einer verschollenen Lagune

Nach den ereignisreichen Tagen in Baños ging die Reise weiter Richtung Norden, ins nicht weit entfernte Latacunga. Die Stadt an sich schien sehr gewöhnlich, unter Reisenden ist sie primär bekannt als Ausgangspunkt für die mehrtägige Wanderung nach Quilotoa. Und deshalb waren auch wir da! Nach unserer Ankunft im Hostel wurden wir bereits mit den nötigen Informationen versorgt, denn am nächsten Morgen sollte es gleich schon losgehen. Auf der Suche nach Essen in den leergefegten Straßen Latacunga´s fanden wir zunächst nichts. Am Sonntag ist hier oft alles geschlossen, dennoch fanden wir einen Supermarkt und nutzen die gemütliche Gemeinschaftsküche fürs Kochen.

Nach einem spärchlichen Frühstück am Morgen machten wir uns auf zum Busterminal. Auf dem zum Schalter wurden wir bereits von Zurufen bombadiert, verschiedene Destinationen und die Frage, wo es denn hingehen soll. Hier muss man also nicht lange suchen und so kauften wir fix zwei Tickets nach Sigchos, dem Start des Quilotoa-Loops. Im Bus merkten wir schnell, dass wir richtig sind, denn es saßen mehrere andere Reisende im Bus, die offenbar das gleiche Ziel hatten. Bereits auf der ca. 3-stündigen Fahrt ging es hoch und runter. Der Bus brachte uns in eine wunderschöne Andenlandschaft, die sehr an eine europäische Gebirgslandschaft erinnerte.

Von Sigchos aus wanderten wir ca. fünf Stunden ins Andendorf namens Isinlivi, welches auf einer beachtlichen Höhe liegt. Folglich war der letzte Abschnitt sehr steil und herausfordernd. Die Sonne schien sehr stark und die Höhenlage ließ uns das ein oder andere Mal nach Luft schnappen. Schon beachtlich, wie die Menschen hier auf den steilen Hängen Landwirtschaft betreiben und die Höhenunterschiede jeden Tag bewältigen! Erschöpft aber glücklich kamen wir nachmittags in unserer ersten Unterkunft an. Da es keine Supermärkte oder Einkaufsmöglichkeiten in den Dörfern gibt, sind Frühstück und Abendessen inklusive. So warteten wir hungrig am Kamin des Gemeinschaftsraumes auf das Abendessen. Im Gegensatz zum sonnigen Tag wurde es abends sehr kühl, sodass man schnell unter die warmen Bettdecken wollte oder noch eine Weile am Kamin döste.

Am nächsten Morgen wurde auf den Fluren bereits früh rumgewuselt. Alle stürzten sich aufs ausgewogene Frühstück (es gab mal Müsli!) und bereiteten sich für den zweiten Tag der Wanderung vor. Wir brachen ca. gegen 9.30 in die sonnige Andenlandschaft auf. Da wir den Weg dank ausführlicher Beschreibung vom Hostel am Vortag so gut gefunden hatten, stapften wir siegessicher los. Doch bereits an der ersten größeren Abzweigung war uns der Weg verwehrt, da zwei Wachhunde offensichtlich niemanden durchlassen wollten. So mussten wir einen andere Weg einschlagen und uns von nun an auf Handynavigation und Wegbeschreibungen von Bauern, die wir auf dem Weg trafen, verlassen. Die Himmelsrichtung stimmte ungefähr, doch wir waren auf der anderen Seite eines Tales und suchten verzweifelt einen Weg nach unten und zur Überquerung des im Tal fließenden Flusses. Als wir eine Möglichkeit fanden wurden wir auf der anderen Seite mit einem harten Aufstieg belohnt. Schließlich bedeutet runtergehen auch immer, dass es wieder hochgeht! Das Cloud Forest Hostel war bereits ausgeschildert, trotzdem sollte sich unsere Ankunft noch eine Weile hinziehen. Zudem zog der Nebel langsam auf und es wurde kälter. Man hätte keinen passenderen Ort für Halloween wählen können. Als die Sonne unterging verwandelte sich der Ort in eine Nebellandschaft, die eine perfekte Szenerie für einen Horrorfilm darstellte.

Der dritte Tag sollte die letzte Etappe sein. Ziel war der erloschene Vulkan nahe Quilotoa mit seiner Lagune im Krater. Während der letzten zwei Tage ist man stets den gleichen Reisenden begegnet, da alle das gleiche Ziel vor sich hatten und sich auf die wenigen Unterkünfte aufteilten. So trafen wir auf unserem Weg drei andere Wanderer, denen wir uns anschlossen. Die dritte Etappe gilt als die härteste. Zunächst war davon nicht viel zu merken. Wir wanderten durch eine von Kühen und Schafen gezierte Landschaft mit dem ein oder anderem Höhenunterschied. Der Weg war dieses Mal gut ausgeschildert, sodass man sich nicht verlaufen konnte. Mit der Zeit und der Höhe nahm der Nebel zu, bis wir schließlich auf dem Weg zum Krater vollkommen im Nebel versanken. Aus diesem Grund sahen wir auch nicht die heranstürmende Kuh, die gerade mit einer anderen Kuh kämpfte. Durch wildes Muhen und blockieren der Straße mussten wir eine Abkürzung über den steilen Hang nehmen. Oben angekommen fing es an zu regnen und zu gewittern. In einer kleinen Hütte machten wir Pause und tranken warmen Tee, der gegen Höhenkrankheit hilft. Der Regen beruhigte sich etwas und so setzen wir unseren Marsch fort. Zunächst entlang einem steilen Weg oberhalb der Lagune, die man durch den Nebel nur erahnen konnte. Nach zwanzig Minuten stießen wir auf einen älteren Herren, der uns versicherte, dass der eingeschlagene Pfad nicht nach Quilotoa führte und so mussten wir den ganzen Weg zurücklaufen. Zudem begleitete er uns, damit wir uns nichts wieder verlaufen. Wir dachten zunächst an eine nette Geste, doch später verlangte er Geld und es stellte sich heraus, dass der erste Weg auch zum Ziel geführt hätte. Eine weniger schöne Erfahrung. In Quilotoa angekommen, war die Lagune noch immer im Nebel versunken. Wir bekamen den Tipp, dass sich der Nebel nach ein paar Metern lichten würde und so war es auch. Endlich war die Lagune zu sehen!

 






Tipps

Gute Wegbeschreibung für den Quilotoa-Loop parat haben! Das Hostel Tiana gibt gute Infos raus, die jedoch auch gegengecheckt werden müssen.