Welcome to the jungle

Nach einigem Hin und Her, reichlich Empörung und letztendlichen Umdenken war die Vorfreude nun groß, es ging in den Amazonas-Regenwald! Denn obwohl der Dschungelausflug das Einzige war, das wir vor der Reise geplant hatten, stellte sich die Umsetzung des Planes als sehr schwierig dar. Ursprünglich wollten wir in den Brasilianischen Amazonas in die Regenwaldhauptstadt Manaus, um von dort aus eine mehrtägige Dschungeltour zu beginnen. Daraus wurde dann doch nichts, da sich herausstellte, dass die Anreise nach Manaus unheimlich kompliziert und mit nicht zu rechtfertigenden Kosten verbunden ist. Fliegen war unbezahlbar und mit Booten brauchte man um die zehn Tage. Bei der Abgeschiedenheit fragt man sich, wie so eine große Stadt entstehen und sich erhalten kann!
Doch da der Amazonas-Regenwald riesig ist, gibt es ihn auch in wunderschöner und relativ unberührter Form in Ecuador. So buchten wir fix eine fünftägige Regenwaldtour in die Region Cuyabeno. Genauer gesagt buchten wir die Unterkunft in einer Dschungel-Lodge, die neben der Verpflegung und Behausung im Dschungel täglich Exkursionen zu Fuß oder mit dem Kanu beinhaltete. So hat man die Möglichkeit den Regenwald und die Region peu á peu kennenzulernen. Im Paket mitinbegriffen ist die Abholung vom Ort Lago Agrio, einer kleinen Stadt am Rande des Nationalparks. Dies bedeutete, dass wir zunächst von Quito über die Nacht anreisen mussten, um dann am nächsten Morgen verschlafen mit anderen Wartenden in einem Café Kaffee schlürfend auf die Abholung zu warten. Bereits in Lago Agrio schlug uns die viel wärmere und feuchtere Luft entgegen, als wir aus dem Bus stiegen; ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.

Nachdem wir unsere Reisetruppe zusammen hatten und unseren Lodge-Guide namens Ebi, der ursprünglich aus Bangladesch kommt und dort im Dschungel aufgewachsen ist, kennenlernten, ging die Fahrt los. Auf dem Weg sammelten wir noch ein paar Lebensmittel ein, die von uns in den nächsten Tagen gegessen werden sollten. Da die Lodge mitten im Regenwald liegt, wird alles zur Versorgung Notwendige per Kanu angeliefert, vorzugsweise gleich zusammen mit den Gästen. Die Busfahrt führte uns letztendlich zur Cuyabeno-Brücke, dem Ort an dem die Weiterfahrt nur noch im Kanu möglich ist. Neben uns gab es noch viele andere Gruppen, die zu anderen Lodges aufbrachen. Wirkliche Abenteuerstimmung wollte bei den vielen Menschen noch nicht aufkommen. Ebi wollte warten, bis alle Kanus abgefahren waren, damit wir mehr Ruhe und Zeit hatten die Natur vom Kanu aus kennenzulernen. An sich eine tolle Idee, doch prompt als wir ins Kanu stiegen, fing es in Strömen an zu regnen und wir saßen zusammengekauert und nass auf unseren Sitzen. Unsere Lodge lag am weitesten flussabwärts und rund drei Stunden entfernt von der Brücke. Was zunächst ein absoluter Pluspunkt bei der Auswahl für uns war, entpuppte sich bei der Fahrt durch den Regen als sehr feuchtes Erlebnis. Es war, als müssten wir zunächst porentief gereinigt werden bevor, uns der Amazonas in sich aufnimmt.

In der Lodge angekommen, wurden wir von der Angestellten warm begrüßt. Wir fühlten uns sofort wohl! Unser „Zimmer“ war in einem der mehreren traditionell gebauten Hütten auf Stelzen, die viereckig auf dem ganzen Gelände angeordnet und über Stege miteinander verbunden waren. Das macht Sinn, denn der Boden wird schnell matschig, wenn es regnet. Die Zimmer sind sehr offen gebaut, d.h. es gibt viel Kontakt nach außen. Lediglich das Mückennetz des Bettes bietet Schutz beim Schlafen. So entdeckten wir jeden Tag neue Insekten (groß und klein) in unserem Zimmer oder davor auf der Veranda. Bevor man sich Schuhe anzog mussten diese unbedingt zunächst ausgeschüttelt werden, denn es könnte sich etwas darin versteckt haben.

Nach einem kurzen Verschnaufen und Abendessen im Haupthaus ging es auch schon los zur ersten Nachtwanderung in den Regenwald nahe der Lodge. Schließlich befinden wir uns ja mitten im Regenwald. Wir wurden mit Gummistiefeln ausgerüstet, die nicht nur vor Schlamm, sondern auch vor Schlangenbissen schützen sollten und präparierten uns und unsere Kleidung mit Mückenspray. Mit Taschenlampe und großer Neugier stapften wir zusammen mit Ebi los. Die Geräuschkulisse um uns herum ließ erahnen, dass wir nicht alleine waren. Um uns herum wimmelte es vor interessanten und unbekannten Insekten, die in der Regel viel größer waren, als ihre europäischen Artgenossen. Ebi zeigte uns Spinnen, Heuschrecken, Eidechsen, Riesenameisen, Frösche, Kröten und vieles mehr. Wir selbst erkannten zunächst recht wenig, man braucht schon ein geschultes Auge. Es ist faszinierend, wie gut die Insekten getarnt sind! Gleich neben unserer Lodge gab es Bananenbäume, in denen Taranteln lebten – ein Glück etwas weiter entfernt von unserer Hütte. Als wir wieder in der Lodge ankamen und wenig später erschöpft und glücklich unter dem Mückennetz lagen, lauschten wir dem Abendkonzert und hofften, dass die vielen Insekten und Tiere unserem Zimmer fern blieben.

Am Morgen danach gab es Frühstück um acht. Meistens wurden wir durch den Ruf von Diego, unserem zweiten Guide, geweckt oder bereits früher durch die Geräusche aus dem Dschungel. Den einen Morgen hörten wir zum Beispiel eine Gruppe Affen nahe des Camps kreischen und in den Bäumen rascheln. Nach dem Frühstück ging es los mit dem Kanu. Generell waren die fünf Tage komplett durchgeplant und ausgefüllt. Es ging entweder schon vor oder eben nach dem Frühstück los mit einer Wanderung oder einer Kanufahrt. Danach gab es Mittagessen mit anschließender Freizeit im Camp. Man konnte sich zum Beispiel auf den Steg am Fluss setzen und Tiere oder vorbeifahrende Kanus beobachten oder in Hängematten im Camp entspannen. Nachmittags gab es eine weitere Exkursion und abends manchmal Nachtwanderungen. Bei den Wanderungen zu Fuß sieht man vor allem viele Insekten und Frösche und kann die Natur und das Ökosystem besser im Detail kennenlernen. Diego erklärte uns zum Beispiel viel über Pflanzen, die von den Indigenen als Heilmittel eingesetzt werden oder führte uns in die Genialität der wechselseitigen Beziehungen von Organismen im Regenwald und deren Angepasstheit ein. Besonders beeindruckend war der laufende Baum, der tatsächlich seine Position je nach Lichteinfall ändern kann. Dabei wachsen neue Luftwurzeln in die Richtung, in die er sich bewegen möchte und die alten sterben ab. Dadurch wechselt der Baum über einen längeren Zeitraum seinen Standort und kann so der Konkurrenz nach Licht aus dem Weg gehen. Wir verstanden schnell, dass es im Regenwald ums Überleben geht und dies ist oft nur durch Kreativität und Genialität möglich. So findet man viele Organismen, die Symbiosen eingehen, also Partnerschaften, die beiden Organismen das Überleben optimieren. So produziert beispielsweise ein Baum eine säurehaltige Substanz, die von auf ihm lebenden Ameisen rund um den Baum verteilt wird. Die Ameisen haben ein Haus zum wohnen und der Baum keine Konkurrenz durch andere Bäume, die den säurehaltigen Boden meiden. Aucg wenn ein Organismus stirbt, wird er sofort verwertet, keine Chance bleibt ungenutzt und es besteht ein natürlicher Kreislauf.

Während der Kanufahrten sieht man vor allem größere Tiere wie Affen, Faultiere und verschiedene tropische Vögel, die tagsüber die Geräuschkulisse dominieren. Besonders faszinierend waren die Pocket Monkeys, die kleinsten Affen der Welt. Ausgewachsen passen sie in die Handfläche. Den einen Morgen kreuzten Flussdelfine unseren Weg. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen aus dem Meer sind sie sehr zurückhaltend und eher seltener zu sehen. Am dritten Tag fuhren wir nachmittags mit dem Kanu zum ca. zwei Stunden entfernten Cuyabeno See. Der Sonnenuntergang war atemberaubend und man konnte sogar schwimmen gehen. Allerdings schreckte die Tatsache, dass der See beliebtes Habitat für Anakondas ist etwas ab. Denn zuvor sahen wir bereits eine ca. sieben Meter lange Anakonda in einem Baumstamm schlafen. Am letzten vollen Tag fuhren wir mit Diego sogar noch einmal zum See, da das Gerücht einer noch größeren zweiten Anakonda in der Luft lag. Alle waren im Anakonda-Fieber! Mehrere Kanus manövrierten wie wild durch die im Wasser stehenden Bäumen hindurch, während sich die Kanufahrer Tipps und Vermutungen entgegenriefen. Kurz bevor wir zur Lodge zurückkehren wollten, erreichte uns ein handfester Information und wir erblickten wenig später eine rund acht Meter lange Anakonda eingekringelt am Ufer liegen. Auf dem Rückweg vom See war es bereits dunkel und Diego leuchtete den Uferbereich nach nachtaktiven Tieren ab. Wir hatten Glück und bekamen einen großen Kaiman zu Gesicht. Außerdem schaffte es Diego mit seinen Adleraugen mehrere Boas im Geäst zu entdecken, sowie nachtaktive Affen.

Neben den unzähligen Exkursionen auf dem Fluss oder in den Dschungel, so langsam kannten wir uns auch schon etwas aus, sollten wir auch die indigene Gemeinschaft in der Nachbarschaft kennenlernen. Denn die Lodges und das Gebiet auf dem wir uns befanden gehörten ihnen und wird behutsam verwaltet. Generell wird in der gesamten Gegend sehr auf die Natur geachtet und die Lodges müssen sich zu bestimmten Standards verpflichten. Ein Aspekt, der sicherlich nur durch das gute Zusammenspiel zwischen Umweltministerium, Indigener Gemeinschaft und Lodges zustande kommt. Bereits bei unserer Ankunft wurden wir von Mama Auroria im Kanu abgeholt. Sie ist in Cuyabeno aufgewachsen, der Regenwald ist ihre Heimat. Sie sah Dinge, die niemand anderes sah, zum Beispiel einen nachtaktiven Vögel, der mit einem Baumstamm verschmolzen und extrem gut getarnt am Ufer saß. Den einen Tag besuchten wir vormittags das Dorf Mama Auroria und lernten typisches Yuka-Brot zu backen.

Die Rückfahrt am fünften Tag war wieder durch einen monsunartigen Regen dominiert, der wohl die letzten Spuren des Regenwaldes von uns waschen sollte. Der Dschungel war ein einzigartiges Erlebnis.

 





















Tipps

Die Nicky-Lodge ist wunderschön und Diego zieht jeden in den Bann!

Auf dem Weg nach Lagos Agrio kann man eine schöne Therme in Papallacta besuchen.